Nein, dass ist kein Fantasy-Name, sondern ein kleiner Fluss, der durch den südlichen Teil von Minneapolis fließt. Dort hab ich gestern mal ein wenig Natur-Sight-Seeing gemacht, und das im Prinzip mitten in der Stadt. Sehr cool. Gibt sogar einen Wasserfall.
Im Minnehaha-Park gibt es auch einen Discgolf-Platz. Der Sport ist ziemlich populär hier und nachdem ich in den ersten beiden Wochen schon zweimal gespielt habe und ziemlich schlecht war hab ich gestern mal ein wenig trainiert. Die Frisbees sind ganz anders als die “normalen” Sport-Frisbees. Man wirft übrigens über eine größere Distanz auf so einen Metallkorb und zählt wie beim Golf, wieviel Versuche man bis zum “Einlochen” braucht. Macht Spaß, ist aber echt gar nicht so einfach!
Die einzige Unterhaltungslektüre, die ich mit in die USA genommen habe, ist Hape Kerkelings “Ich bin dann mal weg”. Hab gedacht, der Titel ist doch ganz passend. Nachdem ich jetzt zwei Drittel gelesen habe kann ich sagen: Das Buch steht völlig zu recht seit fast 120 Wochen auf den ersten Plätzen der Spiegel-Bestsellerliste. Das Tagebuch seiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg ist eine sehr gelungene Mischung von intelligentem Humor (was bei Kerkeling ja zu erwarten ist), scharfsinnigen Alltagsbeobachtungen und tiefsinnigen Gedanken. Ich finds spannend zu lesen, wie hier jemand seine persönliche spirituelle Suche nach Gott beschreibt.
Der Abschnitt, den ich heute beim Frühstück gelesen habe, ist im Blick auf letzteres bisher der Höhepunkt:
“Um Gott zu begegnen, muss man vorher eine Einladung an ihn aussprechen, denn ungebeten kommt er nicht. Auch eine Form von gutem Benehmen. Wir haben die freie Wahl. Zu jedem baut er eine individuelle Beziehung auf. Dazu ist nur jemand fähig, der wirklich liebt.” (S. 241)
Natürlich teile ich nicht alle seine geistlichen Erkenntnisse, aber interessant und anregend ist es auf jeden Fall. Richtig berührt und zum Nachdenken gebracht hat mich eine Passage nur wenige Seiten weiter:
“Während meines Weges hab ich mich immer wieder gefragt, was eigentlich Leiden ist. Am Ende ist Leiden doch ein ‘Nicht-Verstehen’. Und wenn man etwas nicht versteht, muss man Vertrauen haben. So ist es manchmal auch unsere Haltung, die uns leiden lässt.” (S. 245)
Leiden ist “Nicht-Verstehen” – da ist echt mal viel Wahres dran. Und eine Antwort darauf ist nicht, sich Erklärungs-Modelle zu bauen (vgl. die Freunde von Hiob), sondern Vertrauen – trotz Leiden und durch Leiden hindurch. Diese Gedanken haben mich an meine bisher intensivste Erfahrung mit Leid erinnert: Letzten Montag vor 4 Jahren ist mein Freund Daniel mit 24 Jahren an Krebs gestorben. Er ist für mich ein starkes Beispiel dafür, wie im “Nicht-Verstehen” Vertrauen durchtragen kann. Ich Verstehe immer noch nicht, warum Gott ihn nicht geheilt hat, aber Daniel hatte das feste Vertrauen, zu Gott zu gehen – und ich habe das feste Vertrauen, ihn dort wieder zu treffen.
Gestern Abend war ich mit Todd (einem meiner Mitpraktikanten), seiner Freundin Karin und deren Familie auf der Minnesota State Fair. Das ist hier ne ganz große Sache. Für zwei Wochen Ende August findet auf einem riesigen Gelände (das ansonsten anscheinend für nichts anderes genutzt wird) eine große Messe mit verschiedenen Gewerbeausstellungen, Vergnügungspark und v.a. ganz vielen Fressbuden.
Das ist tatsächlich die Hauptsache auf der State Fair: Essen! Man zahlt 8 Dollar Eintritt, um dann nochmal überteuerte Preise für das Essen zu bezahlen, schon irgendwie absurd. Aber da uns Karins Mutter fast alles spendiert hat, hat mir das nicht ganz so viel ausgemacht ;-)
Also wieder zum Essen. Ziel ist es anscheinend, möglichst viel Fett und Zucker auf möglichst kreative Weise auf engsten Raum zu bekommen. Aber halt alles super lecker! Eine Neuheit dieses Jahr (die ich allerdings nicht propiert habe): Bacon mit Schokoladenglasur. Besonders “toll” fand ich auch frittierten Aligator und die frittierten Schokoriegel (kein Scherz!).
Mein Menü sah so aus: Zuerst gabs den obligatorischen Pronto-Pub. Der ist wohl so was wie das Wahrzeichen der State Fair. Ein im Teigmantel frittiertes Wiener Würstchen. Übrigens, das ist auch so eine State Fair-Spezialität, “on a stick”. 
Danach gabs dann frittierten Käse – sehr lecker – und sehr sättigend. Aber das war ja erst die zweite Runde, da folgen noch ein paar. Weiter gings mit vorzüglichen frischen Mini-Donuts – natürlich frittiert. Dann wurde für die alle zusammen gleich ein ganzer Eimer frischer, noch warmer Schoko-Cookies gekauft – ein Traum! Was natürlich nicht fehlen durfte war ein gegrillter Maiskolben – um die Fett-Ration nicht zu vernachlässigen in flüssige Butter getaucht. Zum Abschluss gabs dann eine Portion leckerer Erdbeeren – ums nicht zu gesund zu machen mit ordentlich Schlagsahne. (Bin heute morgen erstmal ne Runde joggen gegangen ; ))
Um das ganze auch gut zu verteilen waren wir dann noch in vier verschiedenen Fahrgeschäften, also alles, was sich schön schnell dreht und überschlägt und eine Menge Spaß macht. Ein kleines bisschen flau war es mir danach dann doch in der Magengegend : )
War auf jeden Fall ein toller Abend bei super Sommerwetter und ganz viel Spaß!
Hier noch ein paar lustige Deutsch-Amerikanische Spezialitäten:
DAS deutsche Essen überhaupt (hat von euch schonmal jemand Kraut auf einem deutschen Jahrmarkt gegessen?).
German Root Beer – ja ne is klar … also zumindest ich hab noch nie Root Beer in Deutschland gesehen – von wegen german.
Das “Cookoo-Haus” (genau so geschrieben) mit leichten Rechtschreibschwächen ; )
Mehr Fotos findet ihr auf meiner Facebook-Seite.
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Unter dem Titel können sich die meisten wahrscheinlich jetzt nicht so viel vorstellen. Also hier kommt die Auflösung: LDI bedeutet “Leadership Development Institute” – das ist das gemeindeeigene Praktikums- und Leiterschulungsprogramm, an dem ich hier teilnehme. Wir sind dieses Jahr 7 Leute – wohl die größte Gruppe seit langem – und wir sieben sind mit einem der Pastoren (später kamen auch noch die anderen beiden) auf eine Mini-Freizeit (von Sonntag bis Dienstag) gefahren. War super! Eine gute Gelegenheit, die anderen ein bisschen besser kennenzulernen. Das war auch das Hauptanliegen der Freizeit. Jeder hat “kurz” (also je ca. ne halbe Stunde) seine Lebens- und Glaubensgeschichte erzählt. Das war schon sehr spannend zu hören, wie Gott mit jedem einzelnen einen ganz anderen Weg gegangen ist! Ich denke wir werden in diesem Jahr ein ziemlich gutes Team sein und uns gegenseitig gut herausfordern und ergänzen.
Wir waren in einem “Wochenend-Häuschen” einer Gemeindefamilie. “Häuschen” ist ziemlich untertrieben. Wir haben mit 10 Leuten bequem Platz gehabt, es gab drei Badezimmer, eine große Veranda und einen eigenen Bootssteg mit dazugehörigem Boot. Daraus lässt sich jetzt unschwer schließen, dass das Haus direkt am See liegt. Es ist ein bisschen wie in Schweden – wunderschöne Seen ohne Ende. Minnesota wird auch “Land of 10.000 Lakes” genannt, wobei Minnesota wohl eigentlich sogar 17.000 Seen hat!
Auf den beiden Bildern bekommt ihr einen kleinen Eindruck von dem genialen Grundstück und unserem kleinen Bootstrip.
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Wenn mich die Leute hier in den ersten Tagen gefragt haben, was denn der größte Unterschied zu Deutschland sei, habe ich meistens geantwortet: “Everything is bigger here!”
Die Autos sind bigger. Sogar ich fahre jetzt einen Dodge Pick-up; obwohl das für amerikanische Verhältnisse noch ein kleiner ist. Kleinwagen (also Golf-Klasse abwärts) hab ich noch so gut wie gar nicht gesehen. Als ich am zweiten Tag mit dem Pastor hier im Auto saß, hat er mich plötzlich ganz begeistert auf ein Fahrzeug hingewiesen, dass er anscheinend noch nie gesehen hat – ein Smart.
Die Straßen sind bigger. 3-spurige Einbahnstraßen sind im Zentrum Standard.
Die Gebäude sind bigger. Minneapolis hat bei 350.000 Einwohnern eine Skyline, die Frankfurt locker abhängt.
Die Kühlschränke sind bigger. Die Wohnung, in der ich die ersten zwei Nächte hier geschlafen hab, hat eine zweiflügelig Kühlschranktür!
Die Verpackungen sind bigger. Im Supermarkt gibts irgendwie alles nur im XXL-Pack. Die kleinste Milchpackung hat fast 2 Liter. Nur die Butterpäckchen sind gerademal halb so groß wie in Deutschland.
Und manche Leute sind auch bigger. Naja, dass ist natürlich ein klassisches Vorurteil.
Da hier ja fast alles bigger ist, verwundert es kaum, das der größte Superlativ (noch über amazing und awsome) “That’s huge!” ist :-)
So, jetzt ist es doch passiert. Ich bin unter die Blogger gegangen. Lange habe ich widerstanden, aber jetzt hats mich doch gepackt.
Eigentlich bin ich ja nicht gerade der Seelen-Striptease-Typ, der gleich alle Welt wissen lassen möchte, was er macht und wies ihm geht. So interessant bin ich ja nun doch auch wieder nicht (oder doch?). Aber nachdem ich jetzt schon anderthalb Wochen in den USA bin und doch einiges Interessantes erlebe und beobachte denke ich mir: das muss ich eigentlich festhalten bzw. andere dran teilhaben lassen.
Wie der Titel des Blogs erahnen lässt will ich v.a. gerne ein paar Beobachtungen und Erlebnisse meiner Kulturgrenzüberschreitung konservieren. Obwohl sich von Deutschland in die USA der Kulturschock nicht ganz so gravierend ist, begegnet mir gerade so einiges Lustiges, Erstaunliches und Irritierendes, so dass ich hoffentlich genug Ideen und Spaß am Schreiben hab :-)
Zudem werde ich natürlich auch ein bisschen davon schreiben, wies mir so in meinem Praktikum ergeht (als kleine Ergänzung zu meinem Rundbrief) und evtl. auch mal den einen oder anderen geistlichen oder sonstigen Gedanken in die Runde werfen. Mal sehn, obs wen interessiert – wenn nicht ist dass halt mein öffentliches persönliches Tagebuch ;-)





