X-ing cultures


Solomon’s Porch
März 30, 2009, 1:24 nachmittags
Einsortiert unter: Crosscultural, Erlebt, Gedacht

Gestern hab ich es endlich geschafft einen Gemeinde zu besuchen, die ich mir schon seit Anfang meines Praktikums angucken wollte. Aber die haben Sonntags abends Gottesdienst, wenn ich Small Group habe…

Die Rede ist von Solomon’s Porch in Minneapolis – was wohl jetzt keinem was sagen dürfte. Aber vielleicht hat der eine oder andere schonmal von Doug Pagitt gehört, dem Pastor? Er gilt als einer der führenden Köpfe der Emerging Church.

Kurz gesagt: Solomon’s Porch versucht Gemeinde und Glauben etwas anders zu leben als der traditionelle evangelikale Mainstream. Zwar nutzen sie eine kleine alte Kirche, aber im Gottesdienstraum sind nur Sofas zu finden – im Kreis angeordnet. Ganz viel Kunst ist im Gebäude zu sehen. Die Atmosphäre fand ich super. Sehr entspannt. Viele Kinder, die auch gerne mal rumlaufen dürfen. Der Gottesdienst begann mit recht besinnlicher, ein wenig melancholischer, aber qualitativ sehr hochwertiger Musik. Alle Songs werden von Mitgliedern der Gemeinde selbst geschrieben – und die Texte sind, naja, anders als Mainstream Lobpreis.

Insgesamt wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass die ganze Gemeinde am Geschehen beteiligt ist. So gab es z.B. Bekenntnistexte, die gemeinsam laut gesprochen wurden, ein Bibeltext wurde abschnittsweise von spontanen Freiwilligen gelesen und am Ende gab es Abendmahl (hier jede Woche). Das hat mir alles ziemlich gut gefallen.

Die Predigt fand im Dialog statt, und zwar zwischen Doug und einem Rabbi! Das war, wie ihr euch sicher vorstellen könnt, ziemlich spannend. Zumal der Ausgangspunkt Matthäus 27,25 war: “Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.” Der Rabbi hat erzählt, wie  sich bis heute Christen auf diesen Vers berufen und Juden als “Christusmörder” bezeichnen. Es ging in dem Gespräch zwischen ihm und Doug (bei dem übrigens jederzeit Zwischenfragen gestellt werden konnten) um den Dialog zwischen Juden und Christen – gerade für uns Deutsche definitv ein wichtiges Thema! Wie können Christen Juden ohne Verurteilung und in Liebe begegnen – ohne gleich mit der “Bekehrungskeule” zu kommen?

Als Tenor blieb bei mir allerdings hängen (sinngemäß), Christen sollten endlich einsehen, dass Juden eben einen anderen Weg zu Gott hätten und nichts “zusätzlich” – sprich Jesus – bräuchten. Das hat mich doch ziemlich zum Nachdenken gebracht …



March Madness
März 20, 2009, 1:30 nachmittags
Einsortiert unter: Crosscultural

Die Football Saison ist vorbei. Die Baseball Saison fängt erst in ein paar Wochen an. Dann muss sich die Sportverücktheit der Amis zwischenzeitlich einen anderen Sport aussuchen. Seit gestern dreht sich alles nur noch um Basketball. Die NCAA Championship, das wichtigste Turnier im College-Basketball hat begonnen.

College-Basketball ist bei vielen beliebter als die Profi-Liga NBA. Man bekommt mehr Einsatz und weniger Star-Gehabe zu sehen. Und neben der normalen Liga gibt es eben noch dieses zweiwöchige Turnier. Warum es “March Madness” heißt versteht man, wenn man den Spielplan sieht. 64 Teams sind dabei und in den ersten beiden Tagen spielt jedes Team. Wir hatten also gestern 16 Spiele und heute nochmal 16. Basketball von morgens um 11:00 bis nachts um 12:00. Teilweise vier Spiele parallel. Und alles live per Konferenzschaltung im TV. Es gibt nicht wenige, die sich für die ersten beiden Tage des Turniers Urlaub nehmen! So habe ich gestern auch insgesamt wahrscheinlich 5 Stunden Basketball gesehen – per Beamer zu Hause bei einem der Pastoren : )

Das Turnier läuft von Anfang an als Playoff, also wer verliert fliegt raus. Ähnlich wie im DFB-Pokal haben hier auch mal kleinere Teams (in der Regel unbekannte Colleges) mal die Chance, einen “Großen” rauszukicken.

Sehr beliebt sind Tipp-Wettbewerbe (ähnlich wie bei uns zur EM oder WM). Ich hab mich allerdings nicht beteiligt, wäre wohl gnadenlos untergangen bei der Ahnung, die ich vom College-Basketball habe : )

Die Minnesota Gophers haben übrigens seit 4 Jahren mal wieder die Qualifikation zum Turnier geschafft – sind aber gestern Abend in der ersten Runde rausgeflogen. Der Begeisterung hat das hier aber nur einen kleinen Dämpfer gegeben – die nächsten Tage wird sich weiterhin alles um Basketball drehen. March Madness eben : )



Timber Bay
März 19, 2009, 4:20 nachmittags
Einsortiert unter: Erlebt

Stille. Das hab ich die letzten zwei Tage gesucht und auch ausreichend gefunden! Bin am Dienstag Morgen ganz spontan (hat sich erst am Montag ergeben) 100 Meilen ziemlich strack nach Norden gefahren und habe zwei Tage schön günstig in einer Art Freizeit-Zentrum oder Camp namens Timber Bay verbracht. Sehr cool. War nur einer von zwei Gästen auf dem kompletten Gelände. Und das war richtig weit draußen, mitten im Wald am See. Der Norden von Minnesota ist echt super schön. Da gibts noch richtig Wildnis. Ein bisschen wie in Schweden, ganz viele Seen.

Wenn man mitten in der Stadt wohnt und auch noch Downtown arbeitet tut es richtig gut, mal rauszukommen. Ich hab die Stille und Einsamkeit die zwei Tage sehr genossen! Keine Musik mitgenommen und auch keine Bücher – außer Bibel und Notizbuch. Kann sogar schon ein bisschen herausfordernd sein, so viel Stille und kaum Ablenkung. Aber ich hatte eine richtig gute Zeit mit Gott!

Ein kleiner Eindruck in Fotos:



Summit Ave
März 16, 2009, 6:03 nachmittags
Einsortiert unter: Crosscultural, Erlebt

Am Samstag war ich mal wieder ein bisschen touristisch unterwegs. Minneapolis kenne ich mittlerweile schon recht gut, daher bin ich mal auf die andere Seite des Mississippis nach Saint Paul gefahren. Das ist der zweite Teil der sogenannten Twin Cities. St. Paul ist übrigens die Hauptstadt von Minnesota (nicht Minneapolis) und ist auch älter und hat daher mehr historisches zu bieten. Ich kannte bisher nur die Downtown Area, das Capitol und die Kathedrale. Samstag war ich dann mal in der Summit Avenue, das ist gewissermaßen der “historische Kern” der Stadt, wobei “historisch” hier ja seltern mehr als 150 Jahre meint. Aber es war dennoch ein ganz anderes Flair als in Minneapolis. Die vielen großen und sehr unterschiedlichen Häuser und Villen waren schon recht beeindruckend:

Besonders lustig fand ich das Angebot des “Germanic American Institute” – schade, dass es schon vorbei war : )

summit-ave-0152

PS: Noch eine Anmerkung zum Wetter – da ich mich ja sonst immer so über die Kälte beschwert habe. Letzten Mittwoch war es tatsächlich nochmal bis -20°C runter. Aber seit dem gings stetig bergauf und heute hatten wir sage und schreibe 17°C PLUS! Ich liebe den Frühling : )



Black Forest Inn
März 8, 2009, 3:28 nachmittags
Einsortiert unter: Crosscultural

Gestern gabs einen deutschen Abend. Ich hab mich mit drei Leuten aus meiner Small Group getroffen und wir haben den ganzen Abend nur deutsch geredet. Ja, es gibt tatsächlich noch drei andere in meiner Small Group, die dieser schönen Sprache mächtig sind : ) Eine sogar als Muttersprachlerin. Uta macht ein Au Pair in Minneapolis und ist aus Sachsen – in dem entsprechenden Kontext rechne ich sächsisch jetzt mal zu deutsch ; ) Tim hat zwei mal ein paar Monate in Deutschland verbracht, in Rüsselsheim bei Opel und letztes Frühjahr in Berlin. Und Colin hat sogar ein ganzes Jahr in Berlin studiert. Alles gute Freunde von mir hier.

Wir haben uns im Black Forest Inn getroffen, einem deutschen Restaurant in Minneapolis. Ist schon sehr lustig zu sehen, was als typisch deutsch gilt. Aber das Essen ist tatsächlich ziemlich nah am Original. Es gibt sogar echte kleine Brötchen als Vorspeise! Zwei von uns hatten Bratwurst mit Kartoffelsalat und Sauerkraut, einer Paprikaschnitzel. Ich hatte eine Roulade mit Spätzle und Rotkraut und einem Franziskaner dunkel. Und zum Nachtisch haben wir uns (passend zum Restaurantnamen) ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte geteilt – laut Karte mit “kirsch-flavoured cherries” : ).




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