X-ing cultures


x-ing cultures (again)
Mai 31, 2009, 10:54 am
Filed under: Crosscultural

Eben habe ich meinen allerersten Blogeintrag nochmal gelesen. Ich hatte diesen Blog letzten Sommer ja eingerichtet, um „Beobachtungen und Erlebnisse meiner Kulturgrenzüberschreitung zu konservieren“. Jetzt geht meine Zeit in der amerikanischen Kultur dem Ende zu. Dass es hier die letzten Wochen doch ziemlich ruhig geworden ist, liegt wohl – neben meiner Motivationslosigkeit zum Schreiben ; ) – auch daran, dass ich mich immer mehr an die amerikanische (oder besser: „minneapolitanische“) Kultur gewöhnt habe. Vieles ist einfach zu „normal“ geworden, um darüber zu schreiben…

Morgen werde ich Minnesota verlassen. Gar nicht so leicht der Abschied, ich habe mich hier in Minneapolis doch ziemlich wohl gefühlt und hatte ein tolles Jahr! Allerdings gehts es nicht direkt zurück nach Deutschland, sondern zunächst noch für 2 Wochen an die Ostküste. Ich treffe mich mit meinem Freund Jan in Philadelphia und dann gehts nach Washington DC, an den Strand in North Carolina und Delaware und zum krönenden Abschluss noch 3 Tage nach New York City!

Mitte Juni werde ich wieder in Deutschland landen. Ich bin mal gespannt, ob ich einen kleinen Kulturschock haben werde ; ) Vielleicht werde ich dann ja hier „Lustiges, Erstaunliches und Irritierendes“ aus unserer heimischen Kultur bloggen, mal sehn…



Golf
Mai 13, 2009, 3:55 pm
Filed under: Crosscultural

Letzten Samstag hab ich zum ersten Mal in meinem Leben Golf gespielt. Während das bei uns in Deutschland doch eher einer gewissen „Elite“ vorbehalten ist und irgendwie was snob-haftes hat, ist Golf (zumindest in Minnesota) ein absoluter Volkssport. Fast jeder hat ein Set Golfschläger zu Hause und Plätze gibts hier mehr als bei uns Minigolf-Anlagen!

Zum Ausprobieren war ich mit Rob und Todd auf einem kleineren Par 3 Neunloch-Platz in einem Vorort von Minneapolis. $13,50 für die Runde war auch recht annehmbar. Und dann hab ich zum ersten Mal einen echten Golfschläger geschwungen. Natürlich ist da am Anfang noch nicht so viel bei rumgekommen, aber nach ein paar Schlägen sind mir doch schon ein paar richtig gute Abschläge gelungen – und das Putten war auch ganz ok. Jedenfalls haben Rob und Todd – beides erfahrene Golfspieler – gemeint, sie hätten selten jemanden gesehen, der beim ersten Mal schon so gut treffen würde. Vielleicht bin ich ja ein Naturtalent – vielleicht war das aber auch nur die typische Minnesota-Höflichkeit : )

Aber die Haltung sieht doch schon ganz gut aus, oder? ; )



New Ulm
April 17, 2009, 7:24 pm
Filed under: Crosscultural, Erlebt, Sightseeing

Endlich ist Frühling – Zeit für einen kleinen Tagesausflug im geliehenen Cabrio : ) Zusammen mit meinem Freund Todd gings nach New Ulm – einem kleinen Städtchen ca. 1,5 Stunden südlich von Minneapolis.

Wie man schon erahnen kann hat New Ulm deutsche Wurzeln. Viele Minnesotans können ihre Wurzeln auf deutsche Vorfahren zurückführen (38%Deutschstämmige bilden mit 17% übrigens USA-weit die größte Gruppe vor Engländern und Iren). Und New Ulm war/ist praktisch das Zentrum des deutschen Erbes in Minnesota. Der deutsche Ursprung wird hier noch sehr deutlich. Schon am Ortseingang wird man mit „Herzlich Willkommen“ auf einem schwarz-rot-goldenem Schild mit einem Männchen in Lederhosen begrüßt.

Aber man findet nicht nur touristisch aufgemachten deutschen (oder besser: bayrischen) Kitsch, sondern auch noch vieles, was tatsächlich auf die deutschen Einwanderer zurückgeht. Der Höhepunkt des Ortes (auch geografisch) ist das Hermanns-Denkmal von 1870 (mit dem Spitznamen „Hermann the German“), dass eine Nachbildung eines Denkmals im Teutoborger Wald zu Ehren des Cheruskerfürstens Arminius ist. Gleich daneben befindet sich das Martin Luther College, in dem die einzelnen Gebäude nach Augsburg, Wittenberg usw. benannt sind.

Zum Mittag gabs Bratwurst, Sauerkraut und Kartoffelsalat in „Veigels Kaiserhof“. Dazu ein Bier der August Schell Brauerei, der zweitältesten Brauerei der USA in Familienbesitz, die wir uns anschließend etwas außerhalb von New Ulm noch angeguckt haben. Wie die Mehrzahl der Brauereien in den USA ist auch diese von deutschen Einwanderern gegründet worden : )

Weitere „deutsche“ Entdeckungen könnt ihr auf den Bildern sehen.



Dirk
April 1, 2009, 2:25 pm
Filed under: Crosscultural, Erlebt

Gestern Morgen hab ich in der Zeitung gelesen, dass die Minnesota Tiberwolves ein Heimspiel gegen die Dallas Mavericks haben. Spontan hab ich beschlossen, nach Baseball und Eishockey einen weiteren großen Profisport in den USA einmal live zu erleben: NBA Basketball. Tickets für die Timberwolves sind gerade ziemlich günstig – da das Team diese Saison einfach grotten schlecht ist (ich hab $7 für ein $70 Ticket bezahlt…). Meine Suche nach Begleitung war leider erfolglos (die waren alle so unspontan), so dass ich kurzerhand alleine ins Target Center gegangen bin. Denn ich wollte mir die Chance doch nicht entgehen lassen, Dirk Nowitzki einmal live und in action zu erleben!

Das war ehrlich gesagt auch das einzige, was mich wirklich interessiert hat. Das Spiel war ziemlich langweilig, der Sieg von Dallas war (auch dank Dirk) nie in Gefahr (108-88), die Halle war nicht mal zur Hälfte gefüllt und die Stimmung eher grottig. Aber es hat sich definitiv trotzdem gelohnt – immerhin hab ich Dirk spielen sehen! Meine befreundeten Basketball-Fans in Deutschland kann ich damit bestimmt ein wenig neidisch machen ; )



Solomon’s Porch
März 30, 2009, 1:24 pm
Filed under: Crosscultural, Erlebt, Gedacht

Gestern hab ich es endlich geschafft einen Gemeinde zu besuchen, die ich mir schon seit Anfang meines Praktikums angucken wollte. Aber die haben Sonntags abends Gottesdienst, wenn ich Small Group habe…

Die Rede ist von Solomon’s Porch in Minneapolis – was wohl jetzt keinem was sagen dürfte. Aber vielleicht hat der eine oder andere schonmal von Doug Pagitt gehört, dem Pastor? Er gilt als einer der führenden Köpfe der Emerging Church.

Kurz gesagt: Solomon’s Porch versucht Gemeinde und Glauben etwas anders zu leben als der traditionelle evangelikale Mainstream. Zwar nutzen sie eine kleine alte Kirche, aber im Gottesdienstraum sind nur Sofas zu finden – im Kreis angeordnet. Ganz viel Kunst ist im Gebäude zu sehen. Die Atmosphäre fand ich super. Sehr entspannt. Viele Kinder, die auch gerne mal rumlaufen dürfen. Der Gottesdienst begann mit recht besinnlicher, ein wenig melancholischer, aber qualitativ sehr hochwertiger Musik. Alle Songs werden von Mitgliedern der Gemeinde selbst geschrieben – und die Texte sind, naja, anders als Mainstream Lobpreis.

Insgesamt wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass die ganze Gemeinde am Geschehen beteiligt ist. So gab es z.B. Bekenntnistexte, die gemeinsam laut gesprochen wurden, ein Bibeltext wurde abschnittsweise von spontanen Freiwilligen gelesen und am Ende gab es Abendmahl (hier jede Woche). Das hat mir alles ziemlich gut gefallen.

Die Predigt fand im Dialog statt, und zwar zwischen Doug und einem Rabbi! Das war, wie ihr euch sicher vorstellen könnt, ziemlich spannend. Zumal der Ausgangspunkt Matthäus 27,25 war: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.“ Der Rabbi hat erzählt, wie  sich bis heute Christen auf diesen Vers berufen und Juden als „Christusmörder“ bezeichnen. Es ging in dem Gespräch zwischen ihm und Doug (bei dem übrigens jederzeit Zwischenfragen gestellt werden konnten) um den Dialog zwischen Juden und Christen – gerade für uns Deutsche definitv ein wichtiges Thema! Wie können Christen Juden ohne Verurteilung und in Liebe begegnen – ohne gleich mit der „Bekehrungskeule“ zu kommen?

Als Tenor blieb bei mir allerdings hängen (sinngemäß), Christen sollten endlich einsehen, dass Juden eben einen anderen Weg zu Gott hätten und nichts „zusätzlich“ – sprich Jesus – bräuchten. Das hat mich doch ziemlich zum Nachdenken gebracht …



March Madness
März 20, 2009, 1:30 pm
Filed under: Crosscultural

Die Football Saison ist vorbei. Die Baseball Saison fängt erst in ein paar Wochen an. Dann muss sich die Sportverücktheit der Amis zwischenzeitlich einen anderen Sport aussuchen. Seit gestern dreht sich alles nur noch um Basketball. Die NCAA Championship, das wichtigste Turnier im College-Basketball hat begonnen.

College-Basketball ist bei vielen beliebter als die Profi-Liga NBA. Man bekommt mehr Einsatz und weniger Star-Gehabe zu sehen. Und neben der normalen Liga gibt es eben noch dieses zweiwöchige Turnier. Warum es „March Madness“ heißt versteht man, wenn man den Spielplan sieht. 64 Teams sind dabei und in den ersten beiden Tagen spielt jedes Team. Wir hatten also gestern 16 Spiele und heute nochmal 16. Basketball von morgens um 11:00 bis nachts um 12:00. Teilweise vier Spiele parallel. Und alles live per Konferenzschaltung im TV. Es gibt nicht wenige, die sich für die ersten beiden Tage des Turniers Urlaub nehmen! So habe ich gestern auch insgesamt wahrscheinlich 5 Stunden Basketball gesehen – per Beamer zu Hause bei einem der Pastoren : )

Das Turnier läuft von Anfang an als Playoff, also wer verliert fliegt raus. Ähnlich wie im DFB-Pokal haben hier auch mal kleinere Teams (in der Regel unbekannte Colleges) mal die Chance, einen „Großen“ rauszukicken.

Sehr beliebt sind Tipp-Wettbewerbe (ähnlich wie bei uns zur EM oder WM). Ich hab mich allerdings nicht beteiligt, wäre wohl gnadenlos untergangen bei der Ahnung, die ich vom College-Basketball habe : )

Die Minnesota Gophers haben übrigens seit 4 Jahren mal wieder die Qualifikation zum Turnier geschafft – sind aber gestern Abend in der ersten Runde rausgeflogen. Der Begeisterung hat das hier aber nur einen kleinen Dämpfer gegeben – die nächsten Tage wird sich weiterhin alles um Basketball drehen. March Madness eben : )



Timber Bay
März 19, 2009, 4:20 pm
Filed under: Erlebt

Stille. Das hab ich die letzten zwei Tage gesucht und auch ausreichend gefunden! Bin am Dienstag Morgen ganz spontan (hat sich erst am Montag ergeben) 100 Meilen ziemlich strack nach Norden gefahren und habe zwei Tage schön günstig in einer Art Freizeit-Zentrum oder Camp namens Timber Bay verbracht. Sehr cool. War nur einer von zwei Gästen auf dem kompletten Gelände. Und das war richtig weit draußen, mitten im Wald am See. Der Norden von Minnesota ist echt super schön. Da gibts noch richtig Wildnis. Ein bisschen wie in Schweden, ganz viele Seen.

Wenn man mitten in der Stadt wohnt und auch noch Downtown arbeitet tut es richtig gut, mal rauszukommen. Ich hab die Stille und Einsamkeit die zwei Tage sehr genossen! Keine Musik mitgenommen und auch keine Bücher – außer Bibel und Notizbuch. Kann sogar schon ein bisschen herausfordernd sein, so viel Stille und kaum Ablenkung. Aber ich hatte eine richtig gute Zeit mit Gott!

Ein kleiner Eindruck in Fotos:



Summit Ave
März 16, 2009, 6:03 pm
Filed under: Crosscultural, Erlebt

Am Samstag war ich mal wieder ein bisschen touristisch unterwegs. Minneapolis kenne ich mittlerweile schon recht gut, daher bin ich mal auf die andere Seite des Mississippis nach Saint Paul gefahren. Das ist der zweite Teil der sogenannten Twin Cities. St. Paul ist übrigens die Hauptstadt von Minnesota (nicht Minneapolis) und ist auch älter und hat daher mehr historisches zu bieten. Ich kannte bisher nur die Downtown Area, das Capitol und die Kathedrale. Samstag war ich dann mal in der Summit Avenue, das ist gewissermaßen der „historische Kern“ der Stadt, wobei „historisch“ hier ja seltern mehr als 150 Jahre meint. Aber es war dennoch ein ganz anderes Flair als in Minneapolis. Die vielen großen und sehr unterschiedlichen Häuser und Villen waren schon recht beeindruckend:

Besonders lustig fand ich das Angebot des „Germanic American Institute“ – schade, dass es schon vorbei war : )

summit-ave-0152

PS: Noch eine Anmerkung zum Wetter – da ich mich ja sonst immer so über die Kälte beschwert habe. Letzten Mittwoch war es tatsächlich nochmal bis -20°C runter. Aber seit dem gings stetig bergauf und heute hatten wir sage und schreibe 17°C PLUS! Ich liebe den Frühling : )



Black Forest Inn
März 8, 2009, 3:28 pm
Filed under: Crosscultural

Gestern gabs einen deutschen Abend. Ich hab mich mit drei Leuten aus meiner Small Group getroffen und wir haben den ganzen Abend nur deutsch geredet. Ja, es gibt tatsächlich noch drei andere in meiner Small Group, die dieser schönen Sprache mächtig sind : ) Eine sogar als Muttersprachlerin. Uta macht ein Au Pair in Minneapolis und ist aus Sachsen – in dem entsprechenden Kontext rechne ich sächsisch jetzt mal zu deutsch ; ) Tim hat zwei mal ein paar Monate in Deutschland verbracht, in Rüsselsheim bei Opel und letztes Frühjahr in Berlin. Und Colin hat sogar ein ganzes Jahr in Berlin studiert. Alles gute Freunde von mir hier.

Wir haben uns im Black Forest Inn getroffen, einem deutschen Restaurant in Minneapolis. Ist schon sehr lustig zu sehen, was als typisch deutsch gilt. Aber das Essen ist tatsächlich ziemlich nah am Original. Es gibt sogar echte kleine Brötchen als Vorspeise! Zwei von uns hatten Bratwurst mit Kartoffelsalat und Sauerkraut, einer Paprikaschnitzel. Ich hatte eine Roulade mit Spätzle und Rotkraut und einem Franziskaner dunkel. Und zum Nachtisch haben wir uns (passend zum Restaurantnamen) ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte geteilt – laut Karte mit „kirsch-flavoured cherries“ : ).



Snow Emergency
Februar 28, 2009, 3:06 pm
Filed under: Crosscultural

Der Schnee ist zurück. Nachdem wir zwischendurch in Minneapolis auch mal ein paar Tage deutlich über dem Gefrierpunkt hatten, gab es am Donnerstag innerhalb von wenigen Stunden 20 cm Neuschnee, der bei jetzt wieder recht frostigen Temperaturen auch wohl erstmal eine Weile bleibt.

Wenn es in Minneapolis mehr als 15 cm auf einmal schneit tritt übrigens ein „Snow Emergency“ in Kraft. Um Straßen komplett räumen zu können gelten dann für drei Tage besondere Parkregeln. Am ersten Tag darf man auf speziellen „Snow Emergency Routes“ ab 21:00 Uhr bis 8:00 Uhr morgens nicht parken. Auf allen anderen Straßen gilt am zweiten Tag Parkverbot auf der Seite mit geraden Hausnummern, am dritten Tag auf der Seite mit ungeraden Hausnummern. Bei Verstoß wird man gnadenlos abgeschleppt (beim vorletzten mal 1400 Autos in Minneapolis!).

Meine Mitbewohner und ich „freuen“ uns immer besonders über einen Snow Emergency, denn alle Straßen rund um unseren Häuserblock sind Snow Emergency Routes. Das bedeutet: viel Spaß beim Parkplatzsuchen. Wenn man abends nicht mehr unterwegs ist kann man noch mit fünf Minuten Fußweg hinkommen. Ich hatte bisher immer dieses Glück, aber es kann wohl auch passieren, dass man sechs Blocks laufen muss – nachdem man eine Stunde gesucht hat. Einer meiner Mitbewohner quartiert sich bei einem Snow Emergency auch schon mal bei Freunden ein, um die Parkplatzsuche zu vermeiden. Wie gut, dass wir diesen Winter bisher nur drei Snow Emergencies hatten. Allerdings ist statistisch der März zwar nicht mehr so kalt, dafür aber der schneereichste Monat in Minnesota …

Ich will Frühling!